Schutz vor Naturkatastrophen: Vom Survival Gürtel bis zum Lebensmitteldepot

Die wenigsten Menschen werden sich jemals tatsächlich mit einer Naturkatastrophe konfrontiert sehen und falls doch, sind die Dimensionen einer Naturkatastrophe hierzulande meisten überschaubar. Doch selbst kleinere Ereignisse können entsprechende Folgen haben, wenn man gänzlich unvorbereitet ist. Mir kommt diesbezüglich ein Ereignis im Winter 2005 ins Gedächtnis: Blitzeis bildete sich auf Stromleitungen im Münsterland und mehr als 50 Strommasten knickten um. Die ganze Region war für mehrere Tage ohne Strom. THW, Bundeswehr und Feuerwehr waren schnell zugegen und konnten die Menschen mit dem nötigsten Versorgen, dennoch waren es einige sehr ungemütlich kalte Tage für die Betroffenen. Daher bin ich der Meinung, dass es nicht Schaden kann, wenn Haushalte ein wenig autark sind und man für den Notfall das Nötigste im Haus hat, um klar zu kommen.

Einen Wirkungsvollen Schutz vor den Naturgewalten gibt es nur bedingt. Sturm- und erdbebensichere Bauten, oder Deichanlagen und Überflutungsbrachen minimieren sicherlich die Auswirkungen von Naturkatastrophen, verhindern kann man diese aber nicht. Ein wichtiges Element des Katastrophenschutzes ist die Frühwarnung vor Naturphänomenen, die sich katastrophal auswirken könnten. Für den Einzelnen heißt es also, sich zu Informieren, Nachrichten zu gucken und auf entsprechende Durchsagen zu achten. Die weit verbreitete Haltung "mich wird es bestimmt nicht treffen" kann sich fatal auswirken.

Generell sollte man sich erkundigen, ob man in einer Region lebt, oder reist, die bekannt für ein höheres Gefahrenpotential ist. Neben Erdbebenregionen und Ländern mit aktiven Vulkanen sind dies vor allem Gebirge, Flusstäler, Küstengebiete und Regionen mit extremen klimatischen Verhältnissen. Karten mit Georisiken und meteorologische Aufzeichnungen finden sich im Internet. Besondere Vorsicht sollte gelten, wenn man in Gegenden reist in denen Seuchen und Epidemien grassieren.

Der Fall Fukushima hat gezeigt, das Regionen mit Atomkraftwerken auf jeden Fall ein erhöhtes Katastrophenpotential aufweisen. Eine Katastrophe muss ja nicht immer durch die Natur ausgelöst werden. Technisches Versagen, Fehler von Menschen, oder Terroranschläge liefern Gründe genug. Bei einem landesweiten Stromblackout wäre die Kühlung der Kraftwerke bestimmt nicht langfristig sichergestellt.

Wohnt man in einem Gebiet mit erhöhtem Risiko sollte man darauf achten, dass Versicherungen entsprechende Risiken abdecken. Weigern sich Versicherungen zum Abschluss einer Police, oder ist diese extrem teuer, weiß man, dass man in einer Gegend mit sehr hohem Risiko wohnt.

Wer sich auf Reisen öfters in gefährdeten Gebiete begibt, sei es als Journalist zur Berichterstattung oder als Bergsteiger (Lawinengefahr etc) sollte über den Abschluss einer Lebensversicherung nachdenken. Eine Risikolebensversicherung sichert die Hinterbliebenen im Falle eines Falles ab. Die Hannoversche schneidet dabei bei Bewertungen relativ gut ab.

Besteht ein erhöhtes Risiko kann es nicht schaden, wenn man sich Gedanken über Fluchtwege macht und sich erkundigt, ob es etwaige Schutzräume in der Nähe gibt. Beim Zivilschutz, oder der Feuerwehr könnte man nachfragen, ob es Evakuierungspläne gibt, oder bestimmte Sammelplätze und Notunterkünfte.

Für die wenigsten Menschen dürfte die Einrichtung eines eigenen Schutzraumes infrage kommen. Vorratshaltung an Lebensmitteln und Wasser sind dagegen relativ einfach zu realisieren. Hier eignen sich neben Konserven vor allem trockene Lebensmittel wie Reis, Hülsenfrüchte, Nudeln. Vitaminpräparate etc. sind auch nicht schlecht. Wasser sollte mit einem Entkeimungsmittel lagerfähig gemacht werden. Pro Tag und Person kalkuliert man mit 3- 5 Liter Trinkwasser. Ein Wasserfilter ist sinnvoll. In den meisten Fällen wird der Strom ausfallen. Batterien, Handstromgeräte, oder Notstromgeneratoren, batteriebetriebenes Radio, Kerzen, Öllampen und ein Campingkocher mit Brennstoff und natürlich ein Feuerzeug, ein Messer und Verbandskasten. Weiterhin erscheinen mir ein Feuerlöscher (der lässt sich auch als Waffe einsetzten) und Atemschutzmasken für manche Situationen angebracht. Liegen chronischen Erkrankungen vor, sollte ein Medikamentenvorrat vorhanden sein. Nach Katastrophen (besonders nach Hochwasser) steigt das Risiko von Krankheiten und Seuchen. Einweghandschuhe, Schutzmasken und Desinfektionsmittel können sinnvoll sein.

Decken, Ersatzkleidung, Werkzeuge wie Schaufel, Brecheisen, Axt, Hammer, Seitenschneider, ein Seil und evtl. Umlenkrollen für einen Flaschenzug sind für die Selbstrettung und Rettung anderer sinnvoll. Ein batteriebetriebenes Radio sollte auch nicht fehlen, damit man noch Warnhinweise und Nachrichten empfangen kann.

Je nachdem, mit welchen Katastrophen zu rechnen sind, könnte die Anlage eines Depots außerhalb von Gebäuden angebracht sein; was nutzen einem all die Dinge, wenn sie unter den Trümmern des Hauses begraben liegen. Wasserdicht verschließbare Tonnen lassen sich vergraben, oder in einer Garage deponieren. Wenn sie nicht zu schwer sind, schwimmen diese noch und können bei Überflutungen als Schwimmkörper dienen.

Einige Gegenstände sollte man im täglichen Leben und besonders auf Reisen immer mit sich führen, wenn man für Notsituationen gerüstet sein will: Mobiltelefon, (Taschen)Messer, Taschenlampe, Kugelschreiber, Feuerzeug, Dreiecktuch, Wasserdesinfektion (Tabletten, oder Filter), Trinkschlauch, Schnur, Verbandspäckchen, Signal-Pfeife, Abwehrspray, Passkopie. Am besten wasserdicht in einem Beutel verpackt.

Ein ungemein praktisches Hilfsmittel ist das Mobiltelefon, besser sogar ein Smartphone. Im Notfall kann man damit nicht nur Rettungsdienste alarmieren, sondern auch über bevorstehende Naturkatastrophen informiert werden. Dazu gibt es verschiedene Dienste. Ein Ratgeber über das Verhalten im Katastrophenfall ist als App-Thema verfügbar. Mittels Handysignal kann man selbst geortet werden (mittlerweile gibt es auch private Handyortungsdienste, oder entsprechende Möglichkeiten über Soziale Netzwerke) und man kann als Smartphone Besitzer seinen eigenen Standpunkt mittels GPS bestimmen und navigieren. Zusätzliche Applikationen verwandeln das Smartphone in ein "Schweizer Taschenmesser" mit Kompass, Höhenmesser und Alarmsirene. Das Display, oder Blitzlicht kann als Taschenlampe, oder Signalgeben eingesetzt werden. Das ganze bringt natürlich nur etwas, solange der Akku voll ist. Generell nützt das Handy als Kommunikationsgerät nur etwas, wenn das Mobilfunknetz funktioniert. Sollte das Netz zerstört sein, werden In der Regel nach wenigen Tagen mobile Notfallsendestationen installiert. Also sollte man in den ersten Tagen nach der Katastrophe in der Zivilisation seinen Akku schonen und noch funktionierende Netze entlasten, indem man auf unnötige Anrufe verzichtet. Als unnötig würde ich alle Anrufe bezeichnen, von denen nicht das unmittelbare Überleben abhängt, denn während du mit deinem Partner, oder Eltern telefonierst und berichtest in welcher misslichen Lage du steckst, kommt ein Schwerverletzter nicht zur Notfallzentrale durch.

Ein Taschenmesser, oder besser noch ein feststehendes Messer sollte leicht, bequem zu tragen und robust sein, damit man es notfalls als Hebel einsetzten kann. Im Falle dass du es als Waffe zur Selbstverteidigung einsetzten musst: man kann das Taschenmesser im zusammengeklappten Zustand als "sanfte" Verteidigungswaffe einsetzten. Genauso eine hinreichend stabile Taschenlampe, oder einen Kugelschreiber. Letzterer lässt sich zerlegen und als Trinkhalm einsetzten, um etwa Pfützen leer zu saugen. Dazu dient natürlich in erster Linie der Trinkschlauch. Dieser sollte wenigstens 1 m lang sein. Darüber hinaus kann man den Schlauch zum Anzapfen von Autotanks verwenden, um an Benzin zu kommen, oder um Gliedmaßen ab zubinden. Das Dreieckstuch dient nicht nur als Schweißfänger, oder Minihandtuch, sondern als Notverband, zum befestigen von Schienen bei Brüchen, stabilisieren gebrochener Arme in einer Hals-Schlinge und je nach Farbe als Signal- oder Tarntuch. Man kann damit Wasser aufsaugen und in ein Gefäß (oder direkt in den Mund) wringen, Tau sammeln, oder das Fruchtfleisch von Kakteen drin sammeln und auspressen. Es filtriert grobe Partikel aus verunreinigtem Wasser und vor die Nase gebunden dient es als provisorische Staubmaske. Also, so ein Tuch kann ungemein praktisch sein!

Doch die beste Ausrüstung nützt nichts, wenn man sie nicht bedienen kann. Eine Überlebenssituation fordert dem Körper oft das letzte ab. Daher gilt es sich fit zu halten! Besonders vor Reisen in Risikogebieten, oder vor Naturkatastrophen mit entsprechender Vorwarnzeit können ein Gesundheitscheck und Impfungen sinnvoll sein. Ein Besuch beim Zahnarzt ist ebenso empfehlenswert. Wer will das Ende der Welt schon mit Zahnschmerzen durchstehen müssen?!

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